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Kurort oder Erholungsort in Baden-Württemberg - Anerkennung beantragen

Die Anerkennung (Prädikatisierung) einer Gemeinde als Kur- oder Erholungsort verschafft dieser einen nachgewiesenen Standortvorteil.

Die Anerkennung kann eine Gemeinde für sich insgesamt oder für einzelne Ortsteile beantragen. Sie ist an strenge Anforderungen gebunden.

Gemeinden können die folgenden Artbezeichnungen erhalten:

  • Erholungsort
  • Luftkurort
    • Heilbad
    • Heilklimatischer Kurort
    • Kneippheilbad
    • Kneippkurort
    • Ort mit Heilquellen- oder Moor (Peloid)-Kurbetrieb
    • Ort mit Heilstollen-Kurbetrieb

Generelle Zuständigkeit:

  • für die Anerkennung als Erholungsort oder Luftkurort: das örtlich zuständige Regierungspräsidium
  • für die Anerkennung aller anderen Artbezeichnungen: das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg nach Vorbeurteilung durch das zuständige Regierungspräsidium

Voraussetzungen:

Je nachdem, welche Artbezeichnung Sie beantragen, müssen Sie unterschiedliche Voraussetzungen nachweisen.

  • für die Artbezeichnung "Heilbad":
    • ein natürliches, wissenschaftlich anerkanntes und durch Erfahrung bewährtes Heilmittel des Bodens (Mineral-, Thermal-, Sole-, Moorheilbad)
    • ein Lage- und Witterungsklima, das die Gesundungs- und Erholungsmöglichkeiten nicht beeinträchtigt und regelmäßig überprüft wird
    • verschiedenartige, leistungsfähige Einrichtungen, die das Heilmittel anwenden
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
  • für die Artbezeichnung "Heilklimatischer Kurort":
    • ein Klima, dessen Eignung für die therapeutische Anwendung wissenschaftlich anerkannt und durch Erfahrung bewährt ist und dessen Eigenschaften eine Klimastation laufend überwacht
    • verschiedenartige, leistungsfähige Einrichtungen, die das Heilmittel anwenden
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
  • für die Artbezeichnung "Kneippheilbad":
    • umfassende Einrichtungen zur Durchführung einer wissenschaftlich anerkannten wassertherapeutischen Kur (vor allem nach Kneipp) und eine größere Anzahl leistungsfähiger Betriebe
    • ein wissenschaftlich anerkanntes und durch Erfahrung bewährtes therapeutisch anwendbares Klima, dessen Eigenschaften regelmäßig überprüft werden
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
  • für die Artbezeichnung "Kneipp-Kurort":
    • verschiedenartige Einrichtungen zur Durchführung einer wissenschaftlich anerkannten wassertherapeutischen Kur (vor allem nach Kneipp) und mindestens drei leistungsfähige Betriebe
    • ein wissenschaftlich anerkanntes und durch Erfahrung bewährtes, therapeutisch anwendbares Klima, dessen Eigenschaften regelmäßig überprüft werden
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
  • für die Artbezeichnung "Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb"
    • eine Quelle mit natürlichem Heilwasser oder natürliche Peloide (Schlämme oder Erden) als Heilmittel
    • zweckentsprechende und ausreichende Kureinrichtungen zur Anwendung des Heilmittels
    • direkt in der Umgebung der Kureinrichtungen befindliche Park- und Grünanlagen in angemessenem Umfang sowie ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
  • für die Artbezeichnung "Ort mit Heilstollen-Kurbetrieb"
    • ein Stollen (Höhle, Bergwerk), dessen besondere Eigenschaften therapeutisch genutzt werden
    • wissenschaftlich anerkannte und bekannt gegebene Hauptheilanzeigen und Gegenanzeigen
    • ein wissenschaftlich anerkanntes und durch Erfahrung bewährtes therapeutisch anwendbares Klima, dessen Eigenschaften regelmäßig überprüft werden
    • geeignete Einrichtungen (medizinische Einrichtung) zur Anwendung des Heilmittels
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
  • für die Artbezeichnung "Luftkurort"
    • ein wissenschaftlich anerkanntes und durch Erfahrung bewährtes therapeutisch anwendbares Klima, dessen Eigenschaften regelmäßig überprüft werden
    • geeignete Einrichtungen zur Anwendung des Heilmittels
    • ein dem Kurbetrieb entsprechender Ortscharakter
  • für die Artbezeichnung "Erholungsort"
    • eine landschaftlich bevorzugte und klimatisch günstige Lage
    • für die Ferienerholung geeignete Einrichtungen und einen entsprechender Ortscharakter
    • eine durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste von mindestens fünf Tagen

Tipp: Näheres zu den Artbezeichnungen und Voraussetzungen finden Sie in den "Begriffsbestimmungen - Qualitätsstandards für die Prädikatisierung von Kurorten, Erholungsorten und Heilbrunnen". Diese gibt der Deutsche Heilbäderverband e.V. zusammen mit dem Deutschen Tourismusverband e.V. heraus. Sie bilden gemeinsam mit dem Kurortegesetz Baden-Württemberg die Grundlage für die Anerkennung.

Unterlagen:

Unterlagen, die das Vorliegen der Voraussetzungen nachweisen

Ablauf:

Die Anträge müssen Sie für alle Artbezeichnungen beim örtlich zuständigen Regierungspräsidium stellen. Um die Einzelheiten der Antragstellung zu klären, sollten Sie zuvor Kontakt mit diesem aufnehmen.

Sonstiges:

Die Anerkennung ist sowohl für die Gemeinde als auch für Unterkunfts- und Dienstleistungsanbieter mit Rechten und Pflichten verbunden. Gemeinden, die nicht Staatsbad sind, können eine eigene Gebührensatzung zur Erhebung einer Kurtaxe erlassen. Sie können die Anbieter von Unterkünften und Dienstleistungen dazu verpflichten, die Kurtaxe von den Gästen einzuziehen.

Rechtsgrundlage:

Kurortegesetz Baden-Württemberg

Zuständige Ansprechpartner und Behörden:

Regierungspräsidium Tübingen Regierungspräsidium Tübingen

Regierungspräsidium Tübingen
Konrad-Adenauer-Straße 20
72072 Tübingen
Telefon: 07071 757-0
Fax: 07071 757-3190
poststelle(@)rpt.bwl.de

Freigabevermerk:

Dieser Text entstand in enger Zusammenarbeit mit den fachlich zuständigen Stellen. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hat dessen ausführliche Fassung am 28.02.2018 freigegeben.

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